Ehrenamt bei der Feuerwehr: Bedeutung, Zahlen und Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr in Deutschland

Das Ehrenamt bei der Feuerwehr ist das Fundament des deutschen Brandschutzes – ohne es würde das System kollabieren.

94 bis 95 Prozent aller aktiven Feuerwehrkräfte in Deutschland sind Ehrenamtliche. Ende 2023 zählte der Deutsche Feuerwehrverband exakt 1.028.021 aktive Mitglieder in Freiwilligen Feuerwehren. Dem gegenüber stehen gerade einmal 39.501 Berufsfeuerwehrleute. Das Verhältnis macht deutlich: Wer in Deutschland Brandschutz denkt, denkt zwingend an Ehrenamt. Und wer in einer Gemeinde wie Duhnen lebt, weiß, dass die Freiwillige Feuerwehr vor Ort nicht nur löscht – sie hält die Gemeinschaft zusammen.

Rückgrat des Brandschutzes: Warum Deutschland ohne Ehrenamt nicht sicher wäre

Stell dir vor, jede Gemeinde müsste eine hauptamtliche Feuerwehr unterhalten. Das ist schlicht nicht möglich. Von rund 14.000 selbstständigen Gemeinden in Deutschland unterhalten nur etwa 100 eine Berufsfeuerwehr – und das auch nur, weil sie gesetzlich dazu verpflichtet sind. Die Pflicht gilt ab einer Einwohnerzahl von ungefähr 100.000. Alle anderen Kommunen verlassen sich vollständig auf das Ehrenamt.

Rechtlich ist das klar geregelt: Brandschutz ist in Deutschland Ländersache. Die Pflicht zur Unterhaltung einer funktionsfähigen Feuerwehr liegt bei den Kommunen. Wie sie diese Pflicht erfüllen, bleibt ihnen überlassen – in der Praxis heißt das fast immer: Freiwillige Feuerwehr. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer über Jahrhunderte gewachsenen Struktur des bürgerschaftlichen Engagements.

Die Zahlen sprechen für sich. Auf je 80 Einwohner kommt statistisch ein Feuerwehrmitglied. Das ergibt eine Versorgungsdichte, die kaum ein anderes Land der Welt erreicht. In fast jeder deutschen Gemeinde gibt es eine eigene Feuerwache – das ist flächendeckende Daseinsvorsorge auf höchstem Niveau. Und das alles, weil Menschen bereit sind, ihre Freizeit, ihre Kraft und im Ernstfall ihr Leben einzusetzen.

Die Freiwillige Feuerwehr ist dabei weit mehr als ein Sicherheitsnetz. Sie ist ein Bestandteil der kommunalen Infrastruktur, der sich nicht einfach durch Geld ersetzen lässt. Eine Berufsfeuerwehr kostet die Gemeinde rund 60 Euro pro Einwohner und Jahr. Eine reine Freiwillige Feuerwehr kommt auf etwa 10 Euro. Das Sechsfache – das ist der Preis, den eine Gemeinde zahlen müsste, wenn das Ehrenamt wegfiele. Für viele kleine Kommunen wäre das schlicht existenzbedrohend.

Hinzu kommt: Die Freiwillige Feuerwehr kennt ihr Revier. Die Kameraden wissen, wo die engen Gassen sind, wo der Hydrant liegt, wer im Ort auf Hilfe angewiesen ist. Dieses lokale Wissen ist unbezahlbar – und entsteht nur durch jahrelanges Engagement vor Ort. Das Ehrenamt bei der Feuerwehr ist damit nicht nur ein Kostenfaktor, sondern ein Qualitätsmerkmal des deutschen Brandschutzsystems.

Mitglieder, Wachstum und Struktur: Aktuelle Zahlen der Freiwilligen Feuerwehr 2023

Wer von einem generellen Mitgliederschwund bei der Freiwilligen Feuerwehr spricht, liegt zumindest für die jüngste Vergangenheit falsch. Die Zahlen des Deutschen Feuerwehrverbands zeigen ein erfreuliches Bild: Zum 31. Dezember 2023 waren 1.028.021 Menschen aktiv in Freiwilligen Feuerwehren tätig. Das ist das vierte Wachstumsjahr in Folge und der höchste Stand seit 2012.

Zum Vergleich: Die Berufsfeuerwehren zählten 2023 exakt 39.501 Mitglieder, die Werkfeuerwehren 34.142. Zusammen mit den Freiwilligen Feuerwehren ergibt das eine Gesamtmitgliederzahl von 1.458.560 für alle Feuerwehrtypen in Deutschland. Die Dominanz der Freiwilligen ist überwältigend: Sie stellen rund 94 bis 95 Prozent aller aktiven Kräfte.

Auch auf Landesebene sind die Zahlen beeindruckend. In Baden-Württemberg allein engagierten sich 2025 noch 112.649 ehrenamtliche Feuerwehrangehörige. Das zeigt, dass das Ehrenamt trotz gesellschaftlicher Veränderungen eine starke Basis hat. Gleichzeitig darf man sich nicht in Sicherheit wiegen: Die Herausforderungen durch demografischen Wandel und veränderte Lebensmodelle sind real.

Ein besonderes strukturelles Problem ist die Tagesverfügbarkeit. Viele Ehrenamtliche pendeln tagsüber in größere Städte zur Arbeit. In manchen Gemeinden ist es deshalb schwierig, tagsüber genügend Einsatzkräfte zu alarmieren. Berufsfeuerwehren haben dieses Problem nicht – sie sind rund um die Uhr besetzt. Freiwillige Feuerwehren müssen dieses Defizit durch kluge Dienstplanung, Kooperationen mit Nachbarwehren und manchmal auch durch hauptamtliche Kräfte ausgleichen.

Das Wachstum der letzten Jahre ist dennoch ein positives Signal. Es zeigt, dass das Modell Freiwillige Feuerwehr attraktiv bleibt – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Moderne Ausrüstung, gute Kameradschaft und gesellschaftliche Anerkennung sind die wichtigsten Faktoren, die Menschen dazu bringen, sich zu engagieren.

Aktive Mitglieder nach Feuerwehrtyp in Deutschland (2023)

1.028.021 500.000 0 1.028.021 Freiwillige Feuerwehr 39.501 Berufs- feuerwehr 34.142 Werk- feuerwehr
Quelle: Deutscher Feuerwehrverband, Stand 31.12.2023

Aufgaben der Feuerwehr: Weit mehr als nur Löschen

Die meisten Menschen denken bei der Feuerwehr zuerst ans Löschen. Das ist verständlich – aber es greift viel zu kurz. Die offizielle Kurzformel lautet: Retten – Löschen – Bergen – Schützen. Dahinter verbirgt sich ein Aufgabenspektrum, das weit über den klassischen Wohnungsbrand hinausgeht.

Retten bedeutet Menschenrettung in allen Lebenslagen. Das kann die eingeklemmte Person nach einem Verkehrsunfall sein, der Bewohner, der aus einem verrauchten Stockwerk gerettet werden muss, oder die Erste Hilfe bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes. In vielen ländlichen Gemeinden ist die Feuerwehr schlicht schneller vor Ort als der Rettungswagen – und rettet damit Leben.

Löschen ist der klassische Kernauftrag. Aber auch hier hat sich das Einsatzspektrum erweitert. Neben Gebäudebränden kämpfen Feuerwehren gegen Wald- und Flächenbrände, die durch den Klimawandel häufiger und intensiver werden. Allein in den Sommern der letzten Jahre hat sich gezeigt, wie wichtig gut ausgebildete und ausgerüstete Freiwillige Feuerwehren für den Schutz ganzer Landstriche sind.

Bergen umfasst die Rettung von Sachgütern, Tieren und – im schlimmsten Fall – Toten aus Gefahrenbereichen. Technische Hilfeleistung ist heute ein zentraler Bestandteil des Feuerwehralltags: Verkehrsunfälle, Hochwasser, Sturmschäden, Gefahrstofflagen – all das fällt in den Zuständigkeitsbereich der Feuerwehr. Bei Hochwasserereignissen wie zuletzt an Ahr und Oder waren es vor allem Freiwillige Feuerwehren, die tagelang im Einsatz standen.

Schützen schließlich umfasst den vorbeugenden Brandschutz. Feuerwehrleute gehen in Schulen und erklären Kindern, wie sie sich im Brandfall verhalten. Sie überwachen Veranstaltungen als Brandsicherheitswache. Sie beraten Bauherren und Unternehmen. Und sie koordinieren im Katastrophenfall gemeinsam mit THW, Rotem Kreuz und anderen Organisationen den Schutz der Bevölkerung.

Dazu kommt der Umweltschutz: Ölspuren auf Straßen beseitigen, Gewässer bei Chemieunfällen schützen, Gefahrstoffe sichern. Das alles leisten Ehrenamtliche – nach der Arbeit, am Wochenende, mitten in der Nacht. Wer das nächste Mal einen Feuerwehrwagen sieht, sollte daran denken: Dahinter steckt meistens jemand, der gerade seinen Feierabend unterbrochen hat.

💡 Gut zu wissen

Technische Hilfeleistung macht bei vielen Freiwilligen Feuerwehren heute mehr als die Hälfte aller Einsätze aus. Brände sind statistisch gesehen nicht mehr der häufigste Einsatzgrund – Unfälle, Hochwasser und Sturmschäden haben längst aufgeholt.

Kosten im Vergleich: Was die Freiwillige Feuerwehr die Gemeinde wirklich kostet

Das Ehrenamt bei der Feuerwehr ist nicht nur gesellschaftlich wertvoll – es ist auch volkswirtschaftlich ein außerordentliches Geschäft für die Kommunen. Die Zahlen sind eindeutig: Eine reine Freiwillige Feuerwehr kostet die Gemeinde rund 10 Euro pro Einwohner und Jahr. Eine Berufsfeuerwehr schlägt mit etwa 60 Euro pro Einwohner und Jahr zu Buche – das Sechsfache.

Dazwischen liegt das Modell der Freiwilligen Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften, das vor allem in mittelgroßen Städten verbreitet ist. Hier entstehen Kosten von rund 30 Euro pro Einwohner und Jahr. Dieses Modell kombiniert die Flexibilität des Ehrenamts mit der Tagesverfügbarkeit hauptamtlicher Kräfte – ein sinnvoller Kompromiss für viele Kommunen.

Kostenvergleich Feuerwehrtypen pro Einwohner und Jahr
Feuerwehrtyp Kosten pro Einwohner/Jahr
Berufsfeuerwehr ~ 60 €
FF mit hauptamtlichen Kräften ~ 30 €
Reine Freiwillige Feuerwehr ~ 10 €

Quelle: Deutscher Feuerwehrverband / kommunal.de

Interessant ist auch der Blick auf die Stundensätze, die für ehrenamtliche Einsatzkräfte angesetzt werden – etwa bei kostenersatzpflichtigen Einsätzen. In Bayern liegt der Pauschalsatz bei 28 bis 32 Euro pro Stunde. In Niedersachsen sind es 20 Euro pro Stunde für ehrenamtliche Kräfte. Zum Vergleich: Ein hauptamtlicher Feuerwehrmann im gehobenen Dienst in Niedersachsen kostet 54 Euro pro Stunde, im mittleren Dienst 44 Euro.

Auf dieser Basis lässt sich der wirtschaftliche Gesamtwert des Feuerwehr-Ehrenamts grob abschätzen. Eine Modellrechnung ergibt rund 2,4 Milliarden Euro jährlich – basierend auf etwa 120 Millionen geleisteten Ehrenamtsstunden multipliziert mit 20 Euro pro Stunde. Dieser Wert ist nicht amtlich belegt und als Orientierungsgröße zu verstehen. Er macht aber deutlich, welche enorme gesellschaftliche Leistung hinter dem Ehrenamt steckt.

Für kleine Gemeinden wie Duhnen ist die Rechnung besonders klar: Ohne die Freiwillige Feuerwehr wäre ein gleichwertiger Brandschutz schlicht nicht finanzierbar. Das Ehrenamt ist damit nicht nur ein Dienst an der Gemeinschaft – es ist auch ein direkter Beitrag zur Stabilität der kommunalen Haushalte.

🔥 Tipp für Gemeinden

Wer die Freiwillige Feuerwehr durch moderne Ausrüstung, ein attraktives Feuerwehrhaus und flexible Dienstgestaltung stärkt, investiert direkt in die kommunale Sicherheit – und spart dabei gegenüber einer hauptamtlichen Lösung bis zu 50 Euro pro Einwohner und Jahr.

Nachwuchs und Jugendfeuerwehr: Hoffnungsträger mit Wachstumspotenzial

Die Jugendfeuerwehr ist das wichtigste Instrument zur Nachwuchssicherung. Wer früh begeistert wird, bleibt oft ein Leben lang dabei. Die aktuellen Zahlen geben Anlass zur Hoffnung: 2024 zählten die Jugendfeuerwehren in Deutschland 372.334 Kinder und Jugendliche – ein Wachstum von 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch beeindruckender ist das Wachstum bei den Kindergruppen: 99.589 Kinder, davon 37.648 Mädchen, mit einem Zuwachs von über 10 Prozent.

Diese Zahlen sind kein Selbstläufer. Sie sind das Ergebnis gezielter Nachwuchsarbeit – Schnupperdienste, Schulprojekte, Kooperationen mit Kitas und Grundschulen. Viele Feuerwehren haben verstanden, dass man früh anfangen muss, wenn man langfristig Mitglieder gewinnen will. Ein Kind, das mit acht Jahren in die Kindergruppe kommt, kann mit 16 in die Jugendfeuerwehr wechseln und mit 18 in den aktiven Dienst eintreten.

Gleichzeitig gibt es ernste Warnsignale. Eine Prognose des Landesfeuerwehrverbands Bayern geht davon aus, dass bis 2029 rund ein Drittel weniger Jugendliche in Feuerwehrjugendgruppen aktiv sein werden als zum Zeitpunkt der Prognose. Der demografische Wandel macht auch vor der Feuerwehr nicht halt. Weniger Kinder bedeuten langfristig weniger potenzielle Feuerwehrleute.

Hinzu kommen strukturelle Probleme: Viele junge Menschen pendeln nach der Ausbildung oder dem Studium in größere Städte und kehren nicht zurück. Im ländlichen Raum fehlen damit genau die Altersgruppen, die am aktivsten sein könnten. Individualisierung und veränderte Freizeitgewohnheiten machen es schwerer, junge Menschen für ein regelmäßiges Engagement zu gewinnen.

Die Antworten darauf sind vielfältig. Flexiblere Alters- und Dienstgrenzen, stärkere Einbindung von Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund, Modernisierung der Infrastruktur und verstärkte Öffentlichkeitsarbeit – all das sind Bausteine einer modernen Nachwuchsstrategie. Entscheidend ist aber vor allem eines: dass die Feuerwehr ein Ort bleibt, an dem man sich wohlfühlt und echte Gemeinschaft erlebt.

Entwicklung des Frauen- und Mädchenanteils in der Jugendfeuerwehr (2000–2022)

0 % 10 % 20 % 30 % 22 % Jahr 2000 28 % Jahr 2021 31,95 % Jahr 2022
Quelle: Deutscher Feuerwehrverband, Mitgliederzahlen 2022

Frauen bei der Feuerwehr: Steigende Beteiligung, regionale Unterschiede

Der Frauenanteil bei der Freiwilligen Feuerwehr wächst – aber er wächst langsam. Zum 31. Dezember 2022 waren 122.624 Frauen aktiv in Freiwilligen Feuerwehren tätig, das entspricht einem Anteil von 11,93 Prozent. Das klingt bescheiden, ist aber ein deutlicher Fortschritt gegenüber früheren Jahrzehnten, als Frauen in vielen Wehren gar nicht oder kaum vertreten waren.

Besonders interessant ist der Blick auf die Jugendfeuerwehren. Dort liegt der Mädchenanteil bei 31,95 Prozent – also fast dreimal so hoch wie bei den aktiven Einsatzkräften. Das zeigt: Mädchen kommen zur Feuerwehr, sie finden sie attraktiv, sie engagieren sich. Aber irgendwo auf dem Weg vom Jugendbereich in den aktiven Dienst gehen viele verloren. Hier liegt ein enormes Potenzial, das noch nicht ausgeschöpft ist.

Die regionalen Unterschiede sind erheblich. In Mecklenburg-Vorpommern liegt der Frauenanteil bei den aktiven Einsatzkräften bei 17 Prozent – deutlich über dem Bundesschnitt. Bayern kommt auf 11 Prozent. Baden-Württemberg liegt mit nur 5 Prozent weit unter dem Durchschnitt. Diese Unterschiede haben historische, kulturelle und strukturelle Ursachen, die sich nicht von heute auf morgen ändern lassen.

Was hilft, um mehr Frauen in den aktiven Dienst zu bringen? Gezielte Ansprache ist ein erster Schritt. Viele Frauen wissen schlicht nicht, dass sie willkommen sind und dass die körperlichen Anforderungen nicht unüberwindbar sind. Familienfreundliche Dienstgestaltung ist ein weiterer Faktor: Wer Kinder hat, kann nicht immer spontan ausrücken – das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen, trifft aber Frauen in der Praxis häufiger.

Vorbilder spielen eine wichtige Rolle. Wenn Mädchen in der Jugendfeuerwehr sehen, dass Frauen auch im aktiven Dienst Führungspositionen übernehmen, steigt die Bereitschaft, selbst dabei zu bleiben. Netzwerke für Frauen in der Feuerwehr, wie sie in einigen Bundesländern entstehen, sind ein weiterer Baustein. Das Ziel muss sein, die Übergangsquote vom Jugendbereich in den aktiven Dienst deutlich zu erhöhen – das würde die Mitgliederzahlen spürbar steigern.

Sozialer Zusammenhalt und Gemeinschaft: Die Feuerwehr als Anker im ländlichen Raum

Die Freiwillige Feuerwehr ist mehr als eine Einsatzorganisation. Sie ist ein sozialer Raum, in dem Menschen zusammenkommen, die sonst vielleicht wenig miteinander zu tun hätten. Der Landwirt, der Lehrer, der Handwerker, die Ärztin – in der Feuerwehr arbeiten sie Seite an Seite. Das schafft Verbindungen, die über den Dienst hinausgehen.

Besonders im ländlichen Raum ist diese Funktion kaum zu überschätzen. Viele andere Institutionen, die früher den sozialen Zusammenhalt gestärkt haben – Vereine, Kirchen, lokale Betriebe – verlieren an Bedeutung oder verschwinden ganz. Die Feuerwehr bleibt. Sie ist in fast jeder Gemeinde präsent, sie hat ein Gebäude, sie hat Veranstaltungen, sie hat eine Gemeinschaft.

Kameradschaft ist dabei kein leeres Wort. Wer gemeinsam in Gefahr war, wer nachts zusammen ausgerückt ist, wer sich aufeinander verlassen musste – der entwickelt eine Verbundenheit, die sich schwer in Worte fassen lässt. Diese Verbundenheit strahlt in die Gemeinde aus. Feuerwehrleute kennen ihre Nachbarn. Sie wissen, wer Hilfe braucht. Sie sind vernetzt.

Teamarbeit und gegenseitige Verantwortung sind Werte, die in der Feuerwehr gelebt werden. Für Jugendliche ist das besonders wertvoll: Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen, sich in eine Gemeinschaft einzufügen und für andere da zu sein. Das sind Kompetenzen, die weit über den Feuerwehrdienst hinaus nützlich sind – im Beruf, in der Familie, in der Gesellschaft.

Integration ist ein weiteres Thema, das zunehmend an Bedeutung gewinnt. Feuerwehren, die aktiv Menschen mit Migrationshintergrund ansprechen und einbinden, berichten von positiven Erfahrungen. Die gemeinsame Aufgabe schafft Verständnis und überbrückt Unterschiede. Gleichzeitig ist die Feuerwehr ein Ort, an dem man die deutsche Sprache und Kultur kennenlernt – ein echter Integrationsbeitrag.

Intergenerative Interaktion ist ein weiterer Aspekt: In der Feuerwehr arbeiten 18-Jährige und 60-Jährige zusammen. Das ist in der modernen Gesellschaft selten geworden. Diese Begegnungen zwischen den Generationen stärken das gegenseitige Verständnis und den sozialen Zusammenhalt einer Gemeinde nachhaltig. Die Freiwillige Feuerwehr ist damit nicht nur ein Sicherheitsnetz – sie ist ein Gesellschaftsnetz.

Häufige Fragen zum Ehrenamt bei der Feuerwehr

1 Wie viele Feuerwehrleute in Deutschland sind ehrenamtlich tätig?

Rund 94 bis 95 Prozent aller aktiven Feuerwehrkräfte sind Ehrenamtliche. Ende 2023 waren es exakt 1.028.021 Personen in Freiwilligen Feuerwehren – der höchste Stand seit 2012.

2 Was kostet eine Freiwillige Feuerwehr die Gemeinde im Vergleich zur Berufsfeuerwehr?

Eine Freiwillige Feuerwehr kostet rund 10 Euro pro Einwohner und Jahr. Eine Berufsfeuerwehr kostet etwa 60 Euro – also das Sechsfache. Das Ehrenamt spart Kommunen enorme Summen.

3 Welche Aufgaben hat die Feuerwehr außer dem Löschen von Bränden?

Retten, Bergen, Schützen: Menschenrettung, technische Hilfeleistung bei Unfällen und Hochwasser, Umweltschutz, vorbeugender Brandschutz und Katastrophenschutz gehören alle zum Aufgabenspektrum.

4 Wie entwickelt sich der Frauenanteil bei der Feuerwehr?

In Jugendfeuerwehren stieg der Mädchenanteil von 22 Prozent (2000) auf fast 32 Prozent (2022). Bei aktiven Einsatzkräften liegt er bundesweit bei knapp 12 Prozent – regional sehr unterschiedlich.

5 Welchen wirtschaftlichen Wert hat das Feuerwehr-Ehrenamt?

Eine Modellrechnung ergibt rund 2,4 Milliarden Euro jährlich – basierend auf etwa 120 Millionen Ehrenamtsstunden à 20 Euro. Dieser Wert ist ein Orientierungswert, nicht amtlich belegt.

6 Warum gibt es Nachwuchsprobleme bei der Freiwilligen Feuerwehr?

Demografischer Wandel, steigende Pendlerzahlen, Individualisierung und schwierige Erreichbarkeit im ländlichen Raum sind die Hauptursachen. Bayern erwartet bis 2029 ein Drittel weniger Jugendliche in Feuerwehrgruppen.

7 Welche Rolle spielt die Feuerwehr für den sozialen Zusammenhalt?

Die Freiwillige Feuerwehr fördert Kameradschaft, Teamarbeit und Integration. Im ländlichen Raum ist sie oft der letzte verbliebene Ort echter Gemeinschaft – über Generationen und Berufsgruppen hinweg.

Quellen

  • Deutscher Feuerwehrverband (feuerwehrverband.de) – Mitgliederzahlen und Kostenvergleich
  • Statista – Anzahl der Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland 2012–2022
  • Malteser (malteser.de) – Ehrenamt bei der Freiwilligen Feuerwehr
  • Deutscher Bundestag (bundestag.de) – Anhörung zur Situation des Ehrenamts in den Blaulicht-Diensten (2023)
  • Bundesministerium des Innern (bmi.bund.de) – Aufgaben der Feuerwehr (FAQ)
  • Landesfeuerwehrverband Bayern (lfv-bayern.de) – Strategiepapier Nachwuchssicherung Feuerwehr
  • Feuerwehrverband Baden-Württemberg (fwvbw.de) – Strategiepapier
  • Deutsche Nationalbibliothek / BSZ (d-nb.info) – Freiwillige Feuerwehren im ländlichen Raum
  • Innenministerium NRW (im.nrw) – Evaluationsbericht Pilotprojekte „Der Mensch in der Freiwilligen Feuerwehr"
  • Ja zur Feuerwehr (jazurfeuerwehr.de) – Handreichung Gewinnung und Stärkung von Freiwilligen
  • Universität Siegen (uni-siegen.de) – Repräsentative Befragung Meinungen und Einstellungen zur Freiwilligen Feuerwehr
  • Freistaat Sachsen (sachsen.de) – Stundensätze ehrenamtliche Einsatzkräfte
  • Bayerische Staatskanzlei (gesetze-bayern.de) – Pauschalsatz Bayern
  • Wolters Kluwer Online (wolterskluwer-online.de) – Stundensätze Niedersachsen
  • Bundeszentrale für politische Bildung (bpb.de) – Bevölkerungsschutz und Ehrenamt
  • Land Baden-Württemberg (baden-wuerttemberg.de) – Mitgliederzahlen 2025
  • kommunal.de – Kostenvergleich Feuerwehrtypen
  • Zivilgesellschaft in Zahlen (ziviz.de) – Ehrenamt in Deutschland