Jugendfeuerwehr 2025: Nachwuchs, Zahlen und Gemeinschaft im Überblick

Stand: Juni 2026 · Lesedauer ca. 12 Minuten

Die Jugendfeuerwehr ist 2025 mit 380.441 Mitgliedern so groß wie nie zuvor. Sie ist gleichzeitig Jugendverband, Ausbildungsorganisation und das wichtigste Nachwuchsreservoir der Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland. Ohne sie wären viele Ortswehren schlicht nicht mehr dauerhaft einsatzbereit.

Das Wachstum ist real – aber es verteilt sich ungleich. Kindergruppen legen deutlich schneller zu als die eigentliche Jugendfeuerwehr. Der Mädchenanteil klettert Jahr für Jahr. Und über 127.000 Ehrenamtliche stecken 2025 mehr als 4,5 Millionen Stunden in den Betrieb. Was steckt hinter diesen Zahlen, und was bedeutet das für Familien, die ihr Kind anmelden wollen?

Was ist die Jugendfeuerwehr? Auftrag, Struktur und Organisation

Die Jugendfeuerwehr hat einen doppelten Auftrag. Erstens sichert sie den Nachwuchs für die Freiwilligen Feuerwehren. Zweitens ist sie ein anerkannter Jugendverband mit eigenem pädagogischen Anspruch: Persönlichkeitsbildung, Wertevermittlung, Gemeinschaftsförderung. Beides gehört untrennbar zusammen.

Auf Bundesebene koordiniert die Deutsche Jugendfeuerwehr (DJF) als Dachorganisation die Arbeit. Sie gehört zu den größten Jugendverbänden Deutschlands überhaupt. Darunter gliedern sich Landes-, Kreis- und Gemeindeebene. Jede Jugendfeuerwehr ist eine eigenständige Abteilung innerhalb der jeweiligen Freiwilligen Feuerwehr – organisatorisch eingebettet in eine kommunale Einrichtung, aber mit eigener Jugendordnung und eigenen Mitbestimmungsrechten.

Wichtig zu verstehen: Kindergruppen und Jugendfeuerwehr sind zwei verschiedene Dinge. Kindergruppen richten sich an Kinder ab etwa 6 Jahren. Hier steht spielerische Frühbindung im Vordergrund – kein feuerwehrtechnischer Ausbildungsanspruch, aber erste Berührungspunkte mit dem Thema Feuerwehr. Die eigentliche Jugendfeuerwehr beginnt je nach Bundesland ab 10 oder 12 Jahren und umfasst dann systematische feuerwehrtechnische Ausbildung als Vorbereitung auf den späteren Einsatzdienst.

Warum ist das alles so wichtig? Weil Quereinsteiger in die Einsatzabteilungen rückläufig sind. Wer als Erwachsener neu zur Feuerwehr kommt, ist die Ausnahme. Die Jugendfeuerwehr ist vielerorts die einzige strukturierte Nachwuchsquelle. Ohne sie fehlen in zehn Jahren die Atemschutzträger, die Maschinisten, die Gruppenführer. Das ist keine Übertreibung – das ist die nüchterne Realität vieler Gemeinden.

Die DJF formuliert den pädagogischen Anspruch in einem klaren Dreiphasenschema für die Gruppenstunde: Einführungsphase (Ankommen, Begrüßungsritual, motivierender Einstieg), Erarbeitungsphase (Fach- und Sozialkompetenzen) und Sicherungsphase (Reflexion, Ausblick, Organisatorisches). Das klingt nach Schule – ist aber bewusst anders gedacht. Die Gruppe entscheidet mit, Erfolgserlebnisse stehen im Mittelpunkt, und der Spaßfaktor ist kein Nebenprodukt, sondern Programm.

Strukturell sind die Jugendfeuerwehren in Deutschland flächendeckend vertreten. 2024 gab es 18.446 Jugendfeuerwehren und 6.341 Kindergruppen – zusammen fast 25.000 Gruppen. Das entspricht einer Dichte, die kaum ein anderer Jugendverband erreicht. Gerade in ländlichen Regionen ist die Jugendfeuerwehr oft die einzige organisierte Jugendarbeit vor Ort.

Mitgliederzahlen 2023–2025: Kontinuierliches Wachstum auf Rekordniveau

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 2023 waren 356.896 Kinder und Jugendliche in der Jugendfeuerwehr aktiv – ein Zuwachs von 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2024 stieg die Zahl auf 372.334 (+4,3 %), 2025 auf 380.441 (+2,18 %). Drei Wachstumsjahre in Folge, auch wenn sich das Tempo etwas verlangsamt.

Hinter diesen Gesamtzahlen steckt eine wichtige Differenzierung. Die eigentlichen Jugendfeuerwehren zählten 2025 rund 274.763 Mitglieder in 18.421 Gruppen. Die Kindergruppen kamen auf 105.678 Mitglieder in 6.308 Gruppen. Das klingt nach einer klaren Dominanz der Jugendfeuerwehr – aber die Wachstumsdynamik liegt eindeutig bei den Kindergruppen.

2024 wuchsen die Kindergruppen um satte 10 Prozent, während die Jugendfeuerwehren insgesamt nur 4,3 Prozent zulegten. 2025 war das Bild ähnlich: Kindergruppen +6,11 Prozent, Jugendfeuerwehr gesamt +2,18 Prozent. Die Frühbindung ab 6 Jahren wird strategisch immer wichtiger.

Der Mädchenanteil entwickelt sich erfreulich. 2023 waren 80.694 Mädchen in Jugendfeuerwehren aktiv, 2024 bereits 84.307, 2025 dann 86.034. In den Kindergruppen stieg die Zahl von 33.320 (2023) auf 40.431 (2025). Insgesamt waren 2025 damit 126.465 Mädchen in Jugendfeuerwehr und Kindergruppen aktiv – ein Anteil von rund 33 Prozent.

Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung bei den Übertritten in den aktiven Einsatzdienst. 2023 wechselten 18.681 Jugendliche in die Einsatzabteilung, 2024 bereits 20.996 – ein Plus von 12,4 Prozent. Der Anteil der Mädchen bei den Übertritten stieg von 4.711 (2023) auf 5.663 (2024). Das zeigt: Die Jugendfeuerwehr funktioniert als Rekrutierungskanal.

Über 127.000 Ehrenamtliche stützen 2025 den gesamten Betrieb. Allein 2024 waren es 18.446 Jugendfeuerwehrwartinnen und -warte als Gruppenleiter, dazu 6.341 Leiterinnen und Leiter von Kindergruppen und über 98.000 Stellvertreter, Betreuende und Helfende. Diese Menschen leisteten 2025 zusammen mehr als 4,5 Millionen Stunden ehrenamtliche Arbeit. Eine Zahl, die man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte.

Gesamtmitglieder der Jugendfeuerwehr 2023–2025

340.000 350.000 360.000 370.000 380.000 356.896 372.334 380.441 2023 2024 2025 +4,3 % +2,18 % Mitglieder
Quelle: Deutsche Jugendfeuerwehr, Jahresstatistik 2024; Feuerwehrverband (2025-Daten)

Kindergruppen vs. Jugendfeuerwehr: Zahlen, Mädchenanteil und Frühbindung

Kindergruppen sind das strategische Frühbindungsinstrument der Feuerwehr. Kinder ab 6 Jahren – in manchen Bundesländern ab Grundschulreife – lernen spielerisch, was Feuerwehr bedeutet. Kein Atemschutz, keine Löschübungen, aber erste Einblicke, erste Freundschaften, erste Identifikation. Das zahlt sich aus.

Die Zahlen belegen den Trend eindeutig. 2024 zählten die Kindergruppen 99.589 Mitglieder in 6.341 Gruppen. 2025 waren es bereits 105.678 Mitglieder in 6.308 Gruppen. Das Wachstum von über 6 Prozent liegt weit über dem Gesamtwachstum der Jugendfeuerwehr. Weniger Gruppen, aber mehr Mitglieder – die bestehenden Gruppen füllen sich.

Besonders auffällig: Der Mädchenanteil in den Kindergruppen ist höher als in den Jugendfeuerwehren selbst. 2024 waren 37.648 von 99.589 Kindergruppen-Mitgliedern Mädchen – das entspricht 37,8 Prozent. 2025 stieg dieser Anteil auf 38,3 Prozent (40.431 von 105.678). In den Jugendfeuerwehren lag der Mädchenanteil 2025 bei rund 31,3 Prozent (86.034 von 274.763). Die frühe Öffnung für Mädchen zahlt sich also messbar aus.

Die Bundesländer handhaben die Altersgrenzen unterschiedlich. In Hessen ist die Kindergruppen-Mitgliedschaft seit November 2007 gesetzlich ab dem vollendeten 6. Lebensjahr verankert. Baden-Württemberg folgte im Juli 2017. Brandenburg und Thüringen kennen keine explizite Kinderfeuerwehr – dort ist die direkte Jugendfeuerwehr-Mitgliedschaft bereits ab 6 Jahren möglich. Das führt zu unterschiedlichen Strukturen, aber einem gemeinsamen Ziel: Kinder früh binden.

Jugendfeuerwehren und Kindergruppen im Vergleich 2024 vs. 2025

Kategorie Gruppen 2024 Mitglieder 2024 Mädchen 2024 Gruppen 2025 Mitglieder 2025 Mädchen 2025
Jugendfeuerwehren 18.446 272.745 84.307 18.421 274.763 86.034
Kindergruppen 6.341 99.589 37.648 6.308 105.678 40.431
Gesamt 24.787 372.334 121.955 24.729 380.441 126.465

Quelle: Deutsche Jugendfeuerwehr, Jahresstatistik 2024; Feuerwehrverband (2025-Daten)

Der Übertritt in den aktiven Einsatzdienst ist das eigentliche Ziel der gesamten Nachwuchsarbeit. 2024 wechselten 20.996 Jugendliche in die Einsatzabteilungen – 12,4 Prozent mehr als 2023. Davon waren 5.663 Mädchen. Diese Zahlen zeigen: Die Investition in frühe Bindung und gute Jugendarbeit zahlt sich direkt in Einsatzkräften aus.

💡 Gut zu wissen

Kindergruppen wachsen seit zwei Jahren doppelt so schnell wie die Jugendfeuerwehr insgesamt. Wer sein Kind früh anmeldet, gibt ihm Zeit, Freundschaften zu knüpfen – und der Feuerwehr Zeit, echte Bindung aufzubauen.

Aufnahme, Kosten und Voraussetzungen: Was Eltern wissen müssen

Die gute Nachricht zuerst: Die Mitgliedschaft in der Jugendfeuerwehr ist grundsätzlich kostenlos. Ausrüstung, Uniform und Lehrmaterialien werden von der Feuerwehr oder der Kommune gestellt. Das ist kein Zufall, sondern Prinzip – die Jugendfeuerwehr soll für alle offen sein, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern.

Bei Zeltlagern oder Ausflügen kann eine geringe Eigenbeteiligung anfallen. Wer sich das nicht leisten kann, muss deshalb nicht draußen bleiben. Über Landesverbandsstiftungen gibt es Fördermöglichkeiten für einkommensschwächere Familien. Es lohnt sich, beim zuständigen Jugendfeuerwehrwart direkt nachzufragen.

Für die Aufnahme braucht es einen schriftlichen Aufnahmeantrag und die schriftliche Zustimmung der Erziehungsberechtigten. Manche Feuerwehren verlangen zusätzlich eine ärztliche Bescheinigung über die Sporttauglichkeit. Das Wohnortprinzip gilt: Das Kind muss im Einzugsbereich der zuständigen Feuerwehr wohnen.

Die Altersgrenzen variieren je nach Bundesland. Kindergruppen starten in den meisten Ländern ab 6 Jahren – genauer: ab Grundschulreife. Die eigentliche Jugendfeuerwehr beginnt je nach Bundesland und Gemeinde ab 10 oder 12 Jahren. Die Mitgliedschaft endet regulär mit 18 Jahren.

Wichtig für Eltern älterer Jugendlicher: Ein automatischer Übertritt in die aktive Einsatzabteilung existiert nicht. Der Feuerwehrausschuss entscheidet. Ab 17 Jahren ist der Übertritt mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten möglich – aber Einsätze fahren darf man erst ab 18 Jahren. Das schützt die Jugendlichen und gibt ihnen Zeit, sich vollständig vorzubereiten.

Viele Feuerwehren bieten Schnuppertermine an. Das ist der niedrigschwelligste Einstieg. Kein Antrag, keine Verpflichtung – einfach vorbeikommen und schauen. Gerade für schüchterne Kinder oder Familien, die noch nie Kontakt zur Feuerwehr hatten, ist das der entscheidende erste Schritt. Die Hemmschwelle beim Erstkontakt ist eine der häufigsten Einstiegshürden – Schnuppertermine bauen sie gezielt ab.

🔥 Tipp für Eltern

Ruf einfach bei der nächsten Freiwilligen Feuerwehr an und frag nach dem nächsten Schnuppertermin. Die meisten Jugendfeuerwehrwarte freuen sich über jede Anfrage – und dein Kind kann unverbindlich reinschnuppern, bevor ihr einen Antrag stellt.

Was Kinder lernen: Feuerwehrtechnik, Sozialkompetenzen und Persönlichkeitsbildung

Die Jugendfeuerwehr ist kein Verein, in dem man Feuerwehrautos anschaut. Der Ausbildungsanspruch ist ernst. Kinder und Jugendliche lernen Erste Hilfe, Brandschutz, Gerätekunde und Grundlagen des Funkbetriebs. Das ist echtes Wissen, das im Ernstfall Leben retten kann.

Die DJF strukturiert die Gruppenstunde nach einem klaren Dreiphasenschema. Die Einführungsphase dient dem Ankommen: Begrüßungsritual, motivierender Einstieg, Zielvorstellung. Die Erarbeitungsphase ist das Herzstück – hier werden Fach- und Sozialkompetenzen vermittelt. Die Sicherungsphase schließt ab: Reflexion, Ausblick, Organisatorisches. Dieses Schema klingt formell, ist aber flexibel genug für Kreativität und Spontaneität.

Teamfähigkeit ist kein Schlagwort, sondern gelebte Praxis. Das Motto „Einer für alle – Alle für einen" ist nicht dekorativ. Bei Löschübungen, Wettbewerben und gemeinsamen Aktionen erleben Kinder direkt, was es bedeutet, aufeinander angewiesen zu sein. Wer beim Schlauchverlegen patzt, lässt die ganze Gruppe im Stich. Das prägt.

Verantwortungsbewusstsein entsteht durch frühe Aufgabenübernahme. Ältere Jugendliche übernehmen Patenschaften für Jüngere, führen Gruppen an, organisieren Aktivitäten. Das ist keine Simulation von Verantwortung – das ist echte Verantwortung in einem sicheren Rahmen.

Kommunikation wird konkret trainiert: klare Absprachen bei Übungen, Funkbetrieb nach Vorschrift, Konfliktfähigkeit im Gruppenalltag. Wer gelernt hat, unter Druck klar zu sprechen und zuzuhören, hat eine Kompetenz erworben, die weit über die Feuerwehr hinaus nützlich ist.

Mitbestimmung und Demokratie sind strukturell verankert. Jugendliche haben Mitbestimmungsrechte in der Gruppe, treffen gemeinsam Entscheidungen über Aktivitäten und Ausflüge. Das ist keine Alibi-Beteiligung, sondern echte Mitgestaltung. Viele Jugendliche erleben hier zum ersten Mal, was demokratische Prozesse in der Praxis bedeuten.

Die Jugendfeuerwehr ist ausdrücklich offen für alle Geschlechter, Nationalitäten, Religionen und sozialen Schichten. Integration ist kein Programmpunkt, sondern Alltag. Kinder, die woanders vielleicht ausgegrenzt werden, finden hier oft ihren Platz – weil es auf Leistung und Teamgeist ankommt, nicht auf Herkunft oder Status.

Persönlichkeitsentwicklung geschieht durch Erfolgserlebnisse. Wer zum ersten Mal einen Schlauch richtig verlegt, wer beim Wettbewerb eine gute Zeit erzielt, wer die Gruppenführerprüfung besteht – der wächst. Selbstvertrauen lässt sich nicht unterrichten, aber man kann Situationen schaffen, in denen es entsteht. Das ist das eigentliche Geheimnis guter Jugendarbeit.

Nachwuchsprobleme trotz Wachstum: Strukturelle Herausforderungen und regionale Unterschiede

Die bundesweiten Wachstumszahlen sind ermutigend. Aber sie können täuschen. Hinter dem Gesamttrend verbergen sich erhebliche regionale Unterschiede. Besonders in wirtschaftsschwachen ländlichen Gebieten und in den neuen Bundesländern kämpfen viele Jugendfeuerwehren ums Überleben.

Der demografische Wandel trifft ländliche Regionen doppelt. Weniger Kinder werden geboren, und die, die aufwachsen, ziehen für Ausbildung und Studium weg. Wer in Ostdeutschland eine Jugendfeuerwehr aufgebaut hat, verliert seine besten Leute mit 18 Jahren – genau dann, wenn sie in den Einsatzdienst wechseln könnten. Die Abwanderung ausgebildeter Jugendlicher ist eines der drängendsten strukturellen Probleme.

Die Ganztagsschule ist eine reale Konkurrenz. Kinder, die bis 16 Uhr in der Schule sind und danach Hausaufgaben haben, stehen unter Zeitdruck. Sportvereine, digitale Freizeitangebote und andere Verbände kämpfen um dieselben Nachmittage. Die Jugendfeuerwehr muss attraktiver sein als TikTok und der Fußballverein zusammen – das ist keine leichte Aufgabe.

Fast zwei Drittel aller Austritte in Bayern entfallen laut einer Analyse der Jugendfeuerwehr Oberbayern auf „keine Lust mehr" und „andere Interessen". Das ist ehrlich und ernüchternd zugleich. Es zeigt, dass Bindung nicht selbstverständlich ist. Wer nicht kontinuierlich in Attraktivität und Gemeinschaft investiert, verliert seine Mitglieder.

Organisatorisch ist die Abhängigkeit von Einzelpersonen ein erhebliches Risiko. Viele Jugendfeuerwehren hängen an einem einzigen engagierten Jugendfeuerwehrwart. Fällt diese Person aus – durch Umzug, Krankheit oder Überlastung – bricht die Gruppe zusammen. Fehlende Vertretungsregelungen und unklare Aufgabenverteilungen verstärken dieses Problem.

Sichtbarkeit ist ein unterschätztes Problem. Viele Familien wissen schlicht nicht, dass es eine Jugendfeuerwehr in ihrer Gemeinde gibt – oder sie haben falsche Vorstellungen davon. Geringe oder unklare Außenwirkung und fehlende systematische Öffentlichkeitsarbeit halten potenzielle Mitglieder fern. Die Hemmschwelle beim Erstkontakt ist real.

Die Deutsche Jugendfeuerwehr reagiert politisch. Im März 2025 veröffentlichte sie ein Positionspapier mit klaren Forderungen: Stärkung des Kinder- und Jugendplans des Bundes (KJP) und bürokratiearme kurzfristige Förderprojekte. Das Signal ist deutlich – ohne strukturelle Unterstützung von Bund und Ländern wird das Wachstum nicht nachhaltig sein.

Lösungsansätze: Was wirklich funktioniert

Die gute Nachricht: Es gibt erprobte Ansätze, die funktionieren. Der wichtigste ist der Ausbau der Kindergruppen. Kinder, die mit 6 Jahren zur Feuerwehr kommen, sind mit 12 Jahren keine Fremden mehr. Sie kennen die Leute, kennen das Gebäude, kennen die Werte. Die Bindung ist tief – und der Übertritt in die Jugendfeuerwehr ist kein Sprung ins Unbekannte, sondern ein natürlicher nächster Schritt.

Schulkooperationen sind ein bewährtes Instrument. Die Feuerwehr Puchheim in Bayern etwa setzt auf Schulbesuche mit echtem Gerät – Schere, Spreizer, Atemschutz zum Anfassen. Kinder, die einmal einen hydraulischen Spreizer in der Hand hatten, vergessen das nicht. Solche Aktionen senken die Hemmschwelle und erzeugen Gesprächsstoff zu Hause.

Digitale Öffentlichkeitsarbeit ist kein Luxus mehr, sondern Pflicht. Die DJF betreibt mit ab-zur-feuerwehr.de eine eigene Informationsplattform. Lokale Jugendfeuerwehren, die auf Social Media aktiv sind, erreichen Familien, die sonst nie von ihnen gehört hätten. Ein gut gepflegter Instagram-Account kostet wenig und bringt viel.

Das DJF-Mentoring-Programm „Im Tandem für eine bunte Jugendfeuerwehrwelt" adressiert gezielt die Diversität. Erfahrene Gruppen unterstützen weniger erfahrene. Das stärkt nicht nur die Qualität der Jugendarbeit, sondern auch das Netzwerk zwischen den Gruppen.

Feierliche Aufnahme- und Übertrittsrituale klingen nach Kleinigkeit, sind aber psychologisch wirksam. Wer offiziell aufgenommen wird, fühlt sich zugehörig. Wer mit einem Ritual in die Jugendfeuerwehr wechselt, erlebt einen echten Übergang. Rituale schaffen Identität – und Identität schafft Bindung.

Die aktive Ansprache von Zugezogenen ist eine unterschätzte Maßnahme. Neue Familien in der Gemeinde wissen oft nicht, was es gibt. Ein persönlicher Brief oder ein Besuch beim Neubürgerempfang kann den Unterschied machen. Die Empfehlung aus dem Oberbayern-Konzept ist eindeutig: Wartet nicht darauf, dass die Leute kommen – geht zu ihnen.

Intern hilft eine klare Aufgabenverteilung. Wer alles alleine macht, brennt aus. Wer Aufgaben delegiert und klare Funktionsbeschreibungen hat, bleibt länger dabei. Das klingt banal, ist aber in der Praxis einer der häufigsten Schwachpunkte. Die Empfehlung von Verbandsberatern ist eindeutig: Strukturiert euch, bevor ihr wächst.

Häufige Fragen zur Jugendfeuerwehr

FrageAb welchem Alter kann mein Kind zur Jugendfeuerwehr?

Kindergruppen starten in den meisten Bundesländern ab 6 Jahren. Die eigentliche Jugendfeuerwehr beginnt je nach Bundesland ab 10 oder 12 Jahren. Die Mitgliedschaft endet regulär mit 18 Jahren.

FrageWas kostet die Mitgliedschaft in der Jugendfeuerwehr?

Die Mitgliedschaft ist grundsätzlich kostenlos. Ausrüstung und Uniform werden gestellt. Bei Zeltlagern kann eine geringe Eigenbeteiligung anfallen; Fördermöglichkeiten für einkommensschwache Familien existieren über Landesverbandsstiftungen.

FrageWechseln Jugendfeuerwehrmitglieder automatisch in die aktive Feuerwehr?

Nein. Der Feuerwehrausschuss entscheidet. Ab 17 Jahren ist der Übertritt mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten möglich; Einsatzteilnahme erst ab 18 Jahren. 2024 wechselten 20.996 Jugendliche in den aktiven Dienst.

FrageWie viele Kinder und Jugendliche sind in der Jugendfeuerwehr aktiv?

2025 sind es bundesweit 380.441 Mitglieder – davon 274.763 in Jugendfeuerwehren und 105.678 in Kindergruppen. Das ist der dritte Anstieg in Folge seit 2023.

FrageWas lernen Kinder in der Jugendfeuerwehr konkret?

Erste Hilfe, Brandschutz, Gerätekunde und Funkbetrieb als fachliche Inhalte. Dazu Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Kommunikation und demokratische Mitbestimmung als Sozialkompetenzen.

FrageWarum hat die Jugendfeuerwehr regional Nachwuchsprobleme, obwohl die Zahlen steigen?

Das bundesweite Wachstum verdeckt regionale Probleme. In ländlichen und wirtschaftsschwachen Gebieten, besonders in Ostdeutschland, fehlen Kinder durch demografischen Wandel und Abwanderung ausgebildeter Jugendlicher.

FrageWie unterscheiden sich Kindergruppen und Jugendfeuerwehr?

Kindergruppen (ab 6 Jahren) dienen spielerischer Frühbindung ohne feuerwehrtechnischen Ausbildungsanspruch. Die Jugendfeuerwehr (ab 10/12 Jahren) umfasst systematische Ausbildung als Vorbereitung auf den Einsatzdienst.

Quellen

  • Deutsche Jugendfeuerwehr (jugendfeuerwehr.de) – Jahresstatistik 2024
  • Deutsche Jugendfeuerwehr (jugendfeuerwehr.de) – News: Erneuter Mitgliederzuwachs
  • Deutsche Jugendfeuerwehr (jugendfeuerwehr.de) – PDF: Altersgrenzen, DFV-Information 2019
  • Deutsche Jugendfeuerwehr (jugendfeuerwehr.de) – PDF: Arbeitshilfe Kinder in der Feuerwehr 2019
  • Deutsche Jugendfeuerwehr (jugendfeuerwehr.de) – PDF: Positionen zur Nachwuchsförderung, März 2025
  • Deutsche Jugendfeuerwehr, Bildungsportal (bildung.jugendfeuerwehr.de) – Pädagogische Grundlagen: Sozialformen und Methodik
  • Feuerwehrverband NRW (feuerwehrverband.nrw) – Muster-Jugendordnung NRW
  • Deutscher Feuerwehrverband / Feuerwehrverband (feuerwehrverband.de) – Statistikdaten 2025
  • Wikipedia – Jugendarbeit in der Feuerwehr
  • Verbandsbüro (verbandsbuero.de) – 11 Probleme der Jugendfeuerwehr und ihre Lösung
  • Verbandsbüro (verbandsbuero.de) – Jugendfeuerwehr ohne Mitgliederwerbung
  • Nachwuchs 112 Bayern (nachwuchs112.bayern.de) – Stoffsammlung Jugendfeuerwehr Oberbayern
  • Bayerisches Staatsministerium des Innern (stmi.bayern.de) – Nachwuchskonzept Feuerwehr Puchheim